Benutzerdefinierte Felder & Pflichtfelder in Bitrix24 sinnvoll einsetzen
Benutzerdefinierte Felder & Pflichtfelder in Bitrix24 sinnvoll einsetzen
Sie öffnen einen Deal und scrollen. Und scrollen. Irgendwo zwischen “Quelle 2”, “Sonstiges” und einem leeren Feld namens “Wichtig!!!” suchen Sie die eine Information, die Sie gerade brauchen – und finden sie nicht. Kommt Ihnen das bekannt vor? Genau hier beginnt das Problem, das wir in Kundenprojekten am häufigsten sehen: Es geht nicht darum, dass Bitrix24 zu wenige Felder bietet. Es geht darum, dass zu viele angelegt wurden, ohne Plan.
Benutzerdefinierte Felder sind eines der stärksten Werkzeuge im Bitrix24-CRM – und gleichzeitig eines der gefährlichsten. Falsch eingesetzt, entsteht ein Wildwuchs, der die Datenpflege blockiert und Auswertungen unbrauchbar macht. Richtig eingesetzt, bekommen Sie ein CRM, das genau Ihre Informationen abbildet und sauber befüllt wird.
Dieser Artikel zeigt Ihnen als CRM-Admin, wie Sie benutzerdefinierte Felder in Bitrix24 bewusst planen, wann ein eigenes Feld wirklich sinnvoll ist und wie Sie mit Pflichtfeldern für vollständige Daten sorgen – ohne Ihre Kollegen mit Eingabezwang zu vergraulen.
Feldtypen im Überblick
Bevor Sie ein Feld anlegen, lohnt der Blick auf die verfügbaren Feldtypen. Bitrix24 bietet eine breite Auswahl, und die Wahl des richtigen Typs entscheidet später darüber, ob Sie sauber filtern und auswerten können (Stand: Juni 2026, die Bezeichnungen können je nach Version leicht abweichen).
Grob lassen sich die Typen so einordnen:
- Einzeiliger Text – für kurze, freie Eingaben wie eine Bestellnummer. Praktisch, aber schlecht auswertbar, weil jeder etwas anderes hineinschreibt.
- Liste / Auswahl (Dropdown) – der wichtigste Typ für saubere Daten. Vordefinierte Werte sorgen dafür, dass aus “Empfehlung”, “Weiterempfehlung” und “Empf.” nicht drei verschiedene Quellen werden.
- Zahl, Geldbetrag, Datum – für alles, was Sie später in Summen, Filtern oder Zeiträumen brauchen.
- Ja/Nein (Checkbox) – ideal für klare Status wie “AVV unterschrieben”.
- Verknüpfung zu CRM-Elementen – um z. B. einen Deal mit einem zugehörigen Ansprechpartner oder Produkt zu verbinden.
- Datei – für angehängte Dokumente direkt am Datensatz.
Die Faustregel aus der Praxis: Wann immer es geht, nutzen Sie eine Liste statt Freitext. Freitextfelder fühlen sich flexibel an, sabotieren aber jede spätere Auswertung. Wenn Sie etwas zählen, filtern oder gruppieren wollen, muss es ein strukturierter Feldtyp sein.
Wann ein eigenes Feld sinnvoll ist
Die häufigste Ursache für Feld-Wildwuchs ist eine einfache: Jemand braucht eine Information, sieht kein passendes Standardfeld und legt sofort ein neues an. Beim nächsten Bedarf passiert dasselbe. Nach einem Jahr hat niemand mehr den Überblick, viele Felder sind nur halb gefüllt, und keiner traut sich, etwas zu löschen.
Stellen Sie sich vor jedem neuen Feld drei Fragen:
- Brauche ich diese Information für eine Entscheidung oder Auswertung? Wenn Sie eine Angabe nie filtern, in einem Report nutzen oder als Grundlage für eine Automatisierung verwenden, ist sie meist überflüssig. Ein Feld, das niemand auswertet, ist nur Pflegeaufwand.
- Gibt es nicht schon ein Standard- oder vorhandenes Feld dafür? Bitrix24 bringt viele Standardfelder mit. Oft existiert die gewünschte Information bereits an anderer Stelle – etwa beim Kontakt statt beim Deal.
- Gehört die Information an dieses Entity? Eine Branchenangabe gehört zum Unternehmen, nicht zum einzelnen Deal. Wer Felder am falschen Objekt anlegt, dupliziert Informationen und schafft Inkonsistenzen.
Ein guter Ansatz ist, Felder nicht reaktiv, sondern entlang Ihres echten Prozesses zu planen. Wenn Sie ohnehin gerade Ihre Verkaufsphasen sauber definieren, etwa beim Aufsetzen Ihrer Pipelines, die zu Ihrem Vertrieb passen, legen Sie direkt fest, welche Felder in welcher Phase befüllt sein müssen. So entstehen Felder aus dem Bedarf heraus – nicht aus dem Moment.
Pflichtfelder pro Phase
Ein häufiger Denkfehler ist, alle wichtigen Felder gleich zu Beginn zur Pflicht zu machen. Das Ergebnis: Der Vertrieb kann einen frischen Lead gar nicht erst anlegen, weil schon zehn Angaben verlangt werden, die zu diesem Zeitpunkt niemand kennt. Die Folge ist nicht mehr Datenqualität, sondern Frust – und kreative Umgehung mit Platzhaltern wie “xxx”.
Sinnvoller ist es, Pflichtfelder an die Pipeline-Phase zu koppeln. Frühe Phasen verlangen wenig, spätere Phasen mehr:
- In der Anfangsphase reicht oft ein Name und eine Kontaktmöglichkeit.
- Bevor ein Deal in die Angebotsphase wechselt, sollten Bedarf und Budget hinterlegt sein.
- Vor dem Abschluss werden Angaben wie Auftragswert oder Lieferadresse zur Pflicht.
So führt das CRM Ihre Mitarbeiter durch den Prozess, statt sie auszubremsen. Die Information wird genau dann verlangt, wenn sie realistisch vorliegt. In Kundenprojekten erleben wir, dass die Datenqualität durch dieses phasenbasierte Vorgehen spürbar steigt – einfach weil die Pflichtangaben Sinn ergeben.
Eine Warnung aus der Praxis: Übertreiben Sie es nicht. Jedes Pflichtfeld ist eine Hürde. Beschränken Sie sich pro Phase auf die zwei bis vier Angaben, die wirklich entscheidend sind.
Felder pflegen & aufräumen
Felder anzulegen ist leicht, sie loszuwerden fällt schwer – psychologisch wie organisatorisch. Trotzdem gehört ein regelmäßiger Feld-Check zur sauberen CRM-Pflege. Wir empfehlen, ein- bis zweimal im Jahr durch die Feldliste zu gehen und für jedes Feld zu prüfen: Wird es gefüllt? Wird es genutzt? Wenn beides verneint wird, kommt es auf die Streichliste.
Gehen Sie beim Aufräumen behutsam vor. Bevor Sie ein Feld löschen, prüfen Sie, ob es noch in Filtern, Reports, Listenansichten oder Automatisierungen verwendet wird. Felder lassen sich oft auch ausblenden, statt sie sofort zu entfernen – das ist der sicherere Zwischenschritt, falls die Information doch noch irgendwo gebraucht wird.
Diese Disziplin ist eng mit der allgemeinen Sauberkeit Ihres Systems verknüpft. Wer Felder im Griff hat, vermeidet nebenbei viele Probleme bei der Datenpflege – etwa unsaubere Werte, die später zu doppelten Datensätzen führen. Wie Sie solche Dubletten im CRM dauerhaft vermeiden, hängt direkt mit gut strukturierten, listenbasierten Feldern zusammen.
Auswirkungen auf Reporting
Spätestens beim Reporting zeigt sich, ob Ihre Feldstruktur durchdacht war. Auswertungen können immer nur so gut sein wie die zugrunde liegenden Daten. Drei Punkte sind hier entscheidend:
Strukturierte Felder sind auswertbar, Freitext ist es nicht. Eine Quellenanalyse funktioniert nur, wenn “Quelle” ein Auswahlfeld mit festen Werten ist. Steht dort Freitext, bekommen Sie eine endlose Liste von Einzelnennungen statt einer sauberen Verteilung.
Lückenhafte Felder verzerren Reports. Wenn ein Feld nur bei jedem zweiten Deal gefüllt ist, sind alle darauf basierenden Auswertungen mit Vorsicht zu genießen. Hier zahlt sich die phasenbasierte Pflichtlogik aus: Sie sorgt dafür, dass entscheidende Felder verlässlich befüllt sind.
Zu viele Felder erschweren die Analyse. Bei hunderten Feldern weiß irgendwann niemand mehr, welches die “richtige” Quelle für eine Auswertung ist. Weniger, aber konsequent gepflegte Felder schlagen viele, halb gefüllte.
Wer komplexere, eigene Abläufe abbilden will, sollte zudem prüfen, ob ein eigenes Objekt nicht die bessere Wahl ist als immer neue Felder am Deal. Smart-Prozesse sind dafür gemacht – mehr dazu im Beitrag zu Smart-Prozessen (SPA) in Bitrix24.
Häufige Fragen
Kann ich Pflichtfelder pro Pipeline-Phase setzen?
Ja, und genau das ist der empfohlene Weg. Bitrix24 erlaubt es, Felder abhängig von der jeweiligen Phase eines Deals als Pflicht zu definieren (Stand: Juni 2026). So verlangen frühe Phasen nur wenige Basisangaben, während spätere Phasen mehr Informationen einfordern. Das hält die Eingabe schlank und sorgt trotzdem dafür, dass entscheidende Daten zum richtigen Zeitpunkt vorliegen.
Wie vermeide ich zu viele Felder?
Indem Sie vor jedem neuen Feld prüfen, ob Sie die Information wirklich für eine Entscheidung, eine Auswertung oder eine Automatisierung brauchen – und ob es nicht schon ein passendes Feld gibt. Setzen Sie nach Möglichkeit auf Auswahllisten statt Freitext und planen Sie Reviews ein, in denen ungenutzte Felder konsequent ausgeblendet oder entfernt werden. Weniger, aber sauber gepflegte Felder sind fast immer die bessere Wahl.
Sie wollen Ihre Feldstruktur einmal von Grund auf richtig aufsetzen – statt den Wildwuchs immer weiter zu verwalten? Mehr Bitrix24-Praxis bekommen Sie laufend von uns. Und wenn Sie es direkt sauber umsetzen möchten: vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch.
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